Die Linde und der Grünspecht – ein Zwiegespräch
Hallo Linde Oh, hallo, schön dich zu treffen. Wer bist du? Wie geht es dir?
Ich bin der Grünspecht und auf der Suche nach Insekten. Geniesst du den Frühling, liebe Linde?
Mir geht es immer gut, wenn Frühling ist. Siehst du meine Blattspitzen spriessen? Jetzt ist es wieder wärmer und es ist immer so anstrengend, die Blätter wachsen zu lassen, aber ich weiss die Bewohnerinnen und Bewohner haben viel Freude an mir, weil sie mich von ihren gemütlichen Wohnungen aus alle sehen können. Morgens ist es noch kühl, aber spätestens am Nachmittag geniessen viele ihren Sitzplatz oder Balkon. Sie lesen, machen einen Mittagsschlaf, haben Besuch, erholen sich von der anstrengenden Woche und abends grillen manche auch. Manche kennen mich seit ich gepflanzt wurde, die sind schon seit dem Erstbezug im Jahr 2000 da.
Kommen die Menschen denn auch manchmal zu dir, liebe Linde?
Natürlich kommen sie auch zu mir. Vor allem wenn meine Blüten reif sind. Da kommen neben den Bienen, die so schöne Musik machen, auch Bewohnerinnen und Bewohner vorbei. Sie riechen an mir und manche klauen auch von meinen Blüten. Sie sagen sie wollen damit Tee machen. Und im Sommer da gibt es einen Grillabend, da sitzen viele Leute zusammen, essen ihr Fleisch oder ihre Wurst und geniessen den schönen, warmen Abend mit interessanten Gesprächen. Aber manchmal bin ich schon etwas einsam, ich habe gehört, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner viel mehr in der Garage, im Treppenhaus oder in der Waschküche begegnen und dort ein Gespräch miteinander haben.
Du stehst in der Mitte der Siedlung gleich neben dem Spielplatz mit der Rutschbahn. Da spielen sicher immer viele Kinder.
Es sind nicht mehr so viele wie vor zehn Jahren. Die Kinder, die hier wohnen sind alle gross geworden und müssen mehr in die Schule oder arbeiten jetzt auch. Viele haben auch zeitintensive Hobbies. Manchmal sitzen die Jugendlichen mit ihren Freunden im Spielturm und quatschen miteinander oder sie fordern sich beim Basketballspiel und im Tischtennis heraus. Es hat auch immer wieder Kinder, die beim Arzt warten müssen und dann spielen. Und natürlich sind da die Enkelkinder von Bewohnerinnen und Bewohnern, die rutschen, klettern oder auch mit einem Ball spielen. Ihre Grosseltern sind dann auch immer ganz aktiv und haben viel Freude draussen zu sein.
Wow, du beobachtest aber viel.
Ja, ich hab den ganzen Tag Zeit. Weisst du, wen ich am meisten sehe? Das ist der Mann, der den Garten macht. Er sitzt auf seinem Rasenmäher und fährt durch die Siedlung. Bei mir nimmt er aber einen kleineren Mäher und kurvt um mich herum. Manchmal sehe ich ihn auch die Büsche schneiden und im Herbst sammelt er meine abgefallenen Blätter ein.
Im Sommer kommt auch ein Mann mit einer grossen Sense vorbei. Er schneidet die neu gepflanzte Bienenwiese und einige Bewohnerinnen und Bewohner reissen das Unkraut aus, damit die Wiese auch gut wachsen kann
Wieso eine gepflanzte Wiese?
Die Bienen und Insekten müssen sich auch wohl fühlen. Und für dich damit du genügend zum Fressen findest. Ich verrate dir aber nicht wo die Insektenbeete sind, sonst frisst du sie ja alle.
Was sind das für grosse Kisten, die da überall herumstehen?
Das sind die Hochbeete. Da pflanzen die Bewohnerinnen und Bewohner Kräuter, Blumen oder auch Gemüse. Je nach dem, auf was sie Lust haben. Im Frühling und Sommer gehen sie immer wieder an den Hochbeeten vorbei und ernten etwas.
Das klingt spannend, was du alles erzählst, Linde. Aber ich muss leider weiter. Ich habe Hunger. Ciao
Tschüss Grünspecht. Ich freue mich, wenn du wieder mal bei mir vorbeischaust.