Der Geist der Gemeinschaft
In der Siedlung an der Bergstrasse in Männedorf kennt man sich. Hier wird geduzt, Türen stehen offen, Begegnungen passieren selbstverständlich im Alltag. Vor acht Jahren sind die Bewohnerinnen und Bewohner eingezogen – viele von ihnen sind bis heute da.
Die drei Häuser vereinen unterschiedliche Lebensformen: Familien, Paare und alleinstehende ältere Frauen. Gerade diese Mischung prägt das Zusammenleben.
Von Beginn an wurde die Siedlung gemeinsam gestaltet. Der Spielplatz ist nicht einfach entstanden, sondern das Resultat von Ideen und Engagement aus der Bewohnerschaft. Auch im Alltag zeigt sich, wie stark das Miteinander ist – etwa beim Mittagstisch für Kinder oder in kleinen spontanen Momenten, die den Unterschied machen.
Mitten darin wohnt das pensionierte Ehepaar, Maya Sommer und ihr Mann. Sie waren vor acht Jahren Erstbezüger. Genau wie Werner und Marianne Schuler, ihre direkten Nachbarn. Werner Schuler ist nebenamtlicher Hauswart in der Siedlung und seit dem Bau der Siedlung an der Bergstrasse in Männedorf eng mit dem Ort verbunden. Durch seine natürliche Freude daran, diese Siedlung Tag für Tag zu einem ganz besonderen Ort zu machen, profitiert die ganze Bewohnerschaft davon. Er ist seit 43 Jahren für die Genossenschaft tätig, viele Jahre davon in Meilen und seit dem Bau der Siedlung an der Bergstrasse in Männedorf. «Ich bin Hauswart mit Leib und Seele», sagt er mit Nachdruck. Maya Sommer bestätigt das sofort. «Ja, das stimmt, man merkt einfach, wie sehr dieser Ort hier durch Werners persönliches Engagement profitiert. Und die Leute schätzen ihn sehr dafür.»
Vor einem Jahr zog Florian mit seiner Frau und der heute 2-jährigen Tochter nach Männedorf an die Bergstrasse. Auch sie wissen die Gemeinschaft hier zu schätzen. «Wir lebten vorher schon in Männedorf, aber nicht in einer Genossenschaft und davor in der Stadt Zürich. Man merkt hier einen guten Zusammenhalt, aber auf eine unaufdringliche Art und Weise. Man kennt sich und macht ab und zu was zusammen. Das schätzen wir», sagt Florian.
Es ist die Gemeinschaft, die hier das positive Miteinander ausmacht. So bringt beispielsweise Maya Sommer auch das Zusammenleben zwischen Jung und Alt zur Sprache: «Die Kinder kommen einfach gerne vorbei bei uns», sagt sie und lacht. «Manchmal stehen sie vor der Türe und wollen Spielis spielen… manchmal haben wir keine Zeit. Dann stehen sie halt eine halbe Stunde später wieder da und fragen nochmals.» Sie und ihr Mann geniessen das sehr. «Man weiss ja nicht, wie lange sie noch wollen. Es geht so schnell, wie sie wachsen.» Auch spontane Aktionen gehören dazu: «Auch hätten sie sogar mit den Nachbarsmädchen schon spontan gebacken, einfach weil ihnen gerade danach war.» Für Maya Sommer liegt ein Schlüssel darin, dass die Siedlung überschaubar geblieben ist: «Ich glaube, wir haben es so gut, weil wir so klein sind.» Das bestätigt auch Werner Schuler. «Ja, auf jeden Fall. Ich würde nie Hauswart sein wollen in einer ganz grossen Siedlung. Das Persönliche liegt mir einfach mehr.»
Ein prägender Moment für das Zusammenleben war die Corona-Zeit. «Die Jüngeren haben von sich aus sofort bei den Älteren nachgefragt, ob sie für sie einkaufen gehen sollen», erzählt Werner Schuler. Daraus ist etwas entstanden, das bis heute spürbar ist: ein selbstverständliches Füreinander-Da-Sein. Maya Sommer ergänzt, dass genau dieser Geist die Gemeinschaft bis heute trägt.
Auch gemeinsame Anlässe sind ein wichtiger Teil davon. «Wir haben einmal im Jahr Sommerfest und an Neujahr ein Treffen. Es kommen alle, die hier wohnen», erzählt Maya Sommer. «Auch die älteren Alleinstehenden sind immer dabei.» Und Flexibilität gehört dazu: «Auch wenn es regnet, verschieben wir das Fest einfach in die Garage», sagt sie. «Hauptsache, wir können zusammen sein.» Für Florian und seine Familie war das Sommerfest 2025 das erste in der Siedlung in Männedorf: «Auf dem Weg in der Mitte der drei Häuser wurden Festbänke aufgestellt, ein Grill und jeder und jede brachte was mit – das war toll», erinnert sich Florian.
«Auch wenn es regnet, verschieben wir das Fest einfach in die Garage. Hauptsache, wir können zusammen sein.»
Maya Sommer
Neben dem sozialen Miteinander wird auch der Alltag gemeinsam gestaltet. Strukturen wie das Veloparksystem oder technische Verbesserungen. Sie sind Ausdruck davon, dass sich viele einbringen und Verantwortung übernehmen. «Wir haben es so gut hier», sagt Werner Schuler. «Und ich werde sehr geschätzt. Diese Dankbarkeit ist meine Motivation.»
Die Siedlung an der Bergstrasse in Männedorf ist ein Ort, an dem Nachbarschaft aktiv gelebt wird – das macht die Qualität dieser Siedlung aus; unkompliziert, engagiert und mit viel Raum für spontane Begegnungen und nachbarschaftliches Miteinander.