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Der Place to be im Haus

Darf ich mich vorstellen? Ich bin Erna aus dem Kellergeschoss, die soziokulturelle Animatorin der Siedlung Unterbühlen. Mit zweitem Namen heisse ich «Waschküche», aber diese Bezeichnung wird mir nicht gerecht und ist viel zu langweilig.

Natürlich gehört es zu meinem Pflichtenheft, schmutzige Wäsche sauber zu bekommen, unsere Herzen aber schlagen für etwas ganz anderes: Wir fördern Gemeinschaft und Konfliktlösung. Wir – ui, pardon, jetzt habe ich ganz vergessen, «Waschküche Velokeller» vorzustellen, meine Schwester Blanca, wir sind ein unschlagbares Team. Unser Angebot – Waschmaschine, Trockenraum, Tumbler – ist so einfach wie effizient. Jede Mietpartei kann mit ihren Waschkarten kommen, und deswegen ist bei uns immer etwas los. Hier trifft man sich ganz zufällig, hier hält man einen Schwatz und erfährt, was gerade läuft. Wir Waschküchen sind die Ersten, die Neues mitbekommen. Auch wenn wir uns nicht so herausputzen wie die Briefkästen und die hübschen Südbalkons:

Der eigentliche Place to be im Haus sind doch wir. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir heute mehr spontanen Besuch bekommen als früher.

Bis vor wenigen Jahren hatten die Mietparteien hier nämlich fixe Waschtage, und das sorgte immer wieder für Ärger. Vielleicht denkst Du jetzt, dass ich ja nur eine alte Waschküche bin, ohne Gefühle und so. Aber, dass es für einige Leute nicht passte, wenn sie ihre Wäsche nur an einem einzigen fixen Waschtag in der Woche waschen konnten, ist mir nicht entgangen.

Zum Glück habe nicht nur ich das bemerkt, sondern auch die Siko-Mitglieder haben feine Antennen. Sie spürten die Unzufriedenheit im Haus, und so zettelten sie vor ein paar Jahren an, dass es einen offenen Waschplan geben sollte. Gesagt – gemeinsam beschlossen! Seither ist die Stimmung deutlich besser – um nicht zu sagen: sauberer. Wer spontan waschen will, wäscht spontan. Wer einen fixen Waschtag bevorzugt, kann den haben. Und wer in beiden Waschküchen gleichzeitig waschen möchte, kann sogar das tun.

Ich muss zugeben, diese Regelung gefällt mir viel besser als die alte. Einzelne Bewohnerinnen und Bewohner sagen sogar, jetzt fühle es sich an, als hätte man eine eigene Waschküche. Und auch die Beziehung zwischen meiner Schwester und mir ist heute deutlich ausgeglichener. Keine Eifersüchteleien mehr, denn bei Doppelbelegungen kommen wir beide zum Zug. Ich sollte der Siko doch mal Danke sagen.

Überhaupt: Dafür, dass die Siedlung Unterbühlen so klein ist, ist die Siko hier sehr aktiv. Was diese Gruppe alles macht!

  • Sie kümmert sich um die Geschenke bei runden Geburtstagen in der Siedlung.
  • Wenn neue Leute ins Haus ziehen, heisst sie diese mit Geschenken willkommen. Bei gutem Wetter gibt’s dann sogar einen Apéro auf dem Spielplatz.
  • Diesen Spielplatz hat sie 2015 im Garten eingerichtet. (Seither bin ich doppelt froh, dass es uns Waschküchen gibt, bei all den Flecken auf den Kinderhosen.)
  • Auf WhatsApp hat die Siko einen Haus-Chat eingerichtet, sodass die Bewohnerinnen und Bewohner dort jetzt sogar ihre Päckli-Lieferungen koordinieren können. Seit Februar 2026 sind alle Hausparteien im Chat – endlich läuft die Kommunikation schnell, direkt und unkompliziert.
  • Die Siko organisiert das Grillfest und die Siedlungsversammlung. Dort ist es zwar bei Siko-Wahlen immer schwierig, neue Mitglieder zu gewinnen. Aber gut besucht ist die Versammlung trotzdem. Vielleicht ja wegen des Essens und des feinen Weins.

Woher ich das alles weiss? Vor einer Erna kann man nichts geheim halten, auch wenn ich den lieben langen Tag im Keller bleibe.

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